Cookies

Sie können Cookies jederzeit aktivieren oder deaktivieren. Leider können wir ohne Cookies nicht alle Funktionen dieser Website zur Verfügung stellen. Bitte ermöglichen Sie die Nutzung.
Einfaches Beispiel: Ein Cookie mit Wert "1" speichert, dass Sie diese Meldung nicht auf jeder Seite sehen wollen.

Details zu Cookies

Notwendige Cookies

inaktiv erlaubt
Benötigt für Formulare (Session-Cookies) und verbesserte Navigation.
Ihre Erlaubnis wird in einem Cookie gespeichert.

Statistik-Cookies

inaktiv erlaubt
Wir verwenden Google Analytics für die Erhebung von anonymisierten Besucherstatistiken und für die Verbesserung unserer Inhalte.
Ihre Erlaubnis wird in einem Cookie gespeichert.

Medien-Cookies

inaktiv erlaubt
Erforderlich für Issuu-Artikel, Google Maps und YouTube-Videos.
Ihre Erlaubnis wird in einem Cookie gespeichert.

Wie werde ich ein LOHAS?

Oder: Die Kunst des nachhaltigen Konsumierens. Eine Glosse von Reinhard Helfert

Ja, ich habe es kommen sehen. Schon in meiner uralten Glosse „Mit dem Porsche zum Bioladen“ habe ich davor gewarnt, dass sie kommen wird, die neue Käuferschicht. Jetzt sind sie da. Die sogenannten LOHAS sind in den USA eine längst etablierte Massenbewegung.

Der Begriff LOHAS steht für „Lifestyle of Health and Sustainability“ und bezeichnet eine neue Klasse, die mit viel Geld ihren abgehobenen Hedonismus mit gutem Gewissen verbinden will – ausschweifender Lebensstil in einem Mantel von Gesundheit und ökologischer Nachhaltigkeit, ganz ohne handgestrickte Wollsocken und Birkenstocks. Ach, Sie wollen das auch? Sie befänden sich dann in guter Gesellschaft – mit von der Partie sind nämlich auch die ganz Großen: die DeCaprios, die Clooneys, die Madonnas und jede Menge anderer Stars und Sternchen.

Um ein echter LOHAS zu werden, müssen Sie aber einiges investieren. Und das fängt schon bei Ihren Wohnverhältnissen an. Raus aus der Dreizimmerwohnung! Bauen Sie sich ein repräsentatives Einfamilienhaus mit mindestens 400 qm Wohnfläche, eigenem Fitness-Zentrum, Hallenbad und Wellness-Oase – natürlich als Niedrigenergiehaus mit Geothermie-Heizung. Verschrotten Sie Ihren Kleinwagen und kaufen Sie sich ein geländegängiges Großraumgefährt, mit dem Sie aber dann auf dem Weg zu Ihrem Nobel-Öko-Laden wegen des hohen Verbrauchs nur 90 km/h fahren.

Na klar, bei der Ernährung nur vom Feinsten und Besten: Öko muss sein, Fairtrade sowieso. Und auf keinen Fall von Aldi, Lidl und Co. Die beuten ja bekanntlich ihre Mitarbeiter und Lieferanten aus, wogegen Sie energisch Position beziehen müssen. Das Bio-Obst und -Gemüse darf aber ruhig aus dem fernsten Ausland eingeflogen werden. Schließlich fördern Sie dadurch die Verbreitung des ökologischen Landbaus in den Erzeugerländern. Fleisch nur selten, und wenn doch, dann nur von handmassierten, japanischen Nobelrindern – das schmeckt man. Salz vom Mount Everest und die Kartoffeln von Manufactum (alte Sorte „Blauer Schwede“, 5kg = 19.00 Euro, Bestellnr.: 85568) – und sofort bei Slowfood eintreten (www.slowfood.de)!

Betrinken Sie sich gepflegt stilvoll und ökologisch einwandfrei. Achten Sie darauf, dass Ihr Armagnac älter ist als Sie und kaufen Sie Ihren Brunello di Montalcino nur direkt bei ihrem Biowinzer, mit dem Sie seit 7 Hektolitern dick befreundet sind. Mit Ihrem Geländewagen können Sie auch größere Mengen bequem nach Hause transportieren (aber bitte an den CO2-Ausstoß denken und immer nur 90 km/h fahren!).

Abonnieren Sie Ökotest und Die Zeit, auch wenn Sie nur das Rätsel lösen und die Siebeck-Kolumne lesen. Ach ja, und das Arte-Programm-Magazin, damit Sie auf keinen Fall einen dieser gut recherchierten Dokumentarfilme über die Polschmelze oder Kinderarbeit verpassen.

Ihre „klimaneutrale“ Segeljacht liegt an der Côte d’Azur. Das Tropenholz dafür stammt aus nachhaltigem Plantagenanbau (genau wie bei Ihren Garpa-Gartenmöbeln). Jedesmal wenn Sie dort hinfliegen, entrichten Sie schuldbewusst eine Spende an „Atmosfair“ (www.atmosfair.de). Bei anderen Urlaubsreisen achten Sie auf den Bildungsfaktor: z.B. eine Woche Usbekistan mit Samarkand und Buchara oder die FAZ-Leserreise zu den Obertonsängern des Altaigebirges in der Mongolei.

Sollten Sie Kinder haben, wird alles etwas schwieriger. Versuchen Sie mal, diese davon zu überzeugen, dass Nahrung wie BigMacs und Pommes in der Juniortüte „bäähhh“ sind und Biofenchelgemüse lecker schmeckt. Auf jeden Fall Waldkindergarten und dann möglichst bald ab in ein reformpädagogisches Eliteinternat am Bodensee oder in der Schweiz, damit die kleinen Racker geschützt vor schädlichen Realitätseinflüssen lernen, was die Welt im Innersten zusammenhält.