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Wer nix wird, wird…

Von Berufenen und Auserwählten. Eine Glosse von Reinhard Helfert

Hatten Sie auch einmal einen Traumberuf?
Ich meine ganz früher, als Kind.
Lokomotivführer oder Tierpflegerin?

Eine repräsentative Umfrage im Kollegenkreis zu diesem Thema ergab folgende Berufswünsche: einen Starfighter- und einen Jumbopiloten, einen Opernsänger und eine Violinistin, eine Hebamme und eine Südpolforscherin, einen Bilderbuchillustrator und einen Schriftsteller, einen Geräuschemacher, einen Skateboardtestfahrer und einen Laufroboterentwickler.

Bei mir war das so: Zum Schrecken meiner Klassenkameraden in der Grundschule propagierte ich immer, später einmal Papst werden zu wollen. Der Gedanke an ein Leben in den Vatikanischen Palästen mit all den Audienzen und Huldigungen, das hat schon was, oder?! Zumal ich mir vorstellte, unter dem weiten Ornat auf das Auftragen der ausgeleierten, klein geblümten Neckermann-Unterhosen meines älteren Bruders verzichten zu können. Ich war damals Messdiener und hatte ja nicht die geringste Ahnung, welchen sündhaften Versuchungen und Reizen ich in meinem späteren Leben noch ausgesetzt sein würde, und dass mann mit Mädchen mehr machen kann, als sie ständig an den Haaren zu ziehen.

In meinem späteren Leben hätte ich es mir dann wirklich einfacher machen können, hätte ich den Ratschlag meines Onkels Otto befolgt und wäre Standesbeamter einer Kleinstadt am Rande des Odenwaldes geworden. „Geheiratet wird immer“, und in der mittleren Beamtenlaufbahn ist das Verhältnis von materieller Sicherheit und erforderlichem Arbeitseinsatz durchaus positiv.

Aber genau das wollte ich nicht: es mir einfach machen. Anspruchsvoll sollte es sein. Im Meistern schwieriger Aufgaben beweist sich der wahre Mann. Und so führte mich das Leben über einige steinige Umwege in die Kommunikationsbranche. Hier in der Werbung bin ich gut aufgehoben. Man braucht fast keine Mathematik (wenn ich mal einen Dreisatz brauche, um z.B. ein verändertes Seitenverhältnis zu berechnen, frage ich einfach unsere Frau Koch, die kann das). Auch körperliche Betätigung ist hier weniger gefragt (was mir sehr entgegen kommt). Geradliniges Denken kann man zu Gunsten gesteigerter Kreativität getrost hinter sich lassen. Dafür, dass einem nicht langweilig wird, sorgen schon die Kunden, denen immer wieder neue Gemeinheiten einfallen („Nur eine ganz kleine Korrektur noch Herr Helfert: könnten Sie auf unsere neuen Visitenkarten bitte noch unsere 137 Produkte drucken?!“).

Eigentlich könnte ich rundum zufrieden sein, wäre da nicht der Drang nach Höherem, Schwierigerem. In diesem Zusammenhang bin ich vor Kurzem auf eine Aufgabe gestoßen, die mich wirklich reizen würde: Werbeleiter bei Toll Collect. Mein Ziel: Imageverbesserung in der Öffentlichkeit. Da würde ich sofort eine groß angelegte, verzahnte Imagekampagne starten. Anfangen würde ich beim Namen: Im Sinne von „aus Raider wird Twix“ wäre mein neuer Namensvorschlag „Doll Korrekt“. Der ist eindeutig positiver und klingt nicht gleich nach Abzocke. Er ist in populistischem Deutsch gehalten und sogar für unsere ausländischen Mitbürger verständlich. Aufgrund der sprachlichen Ähnlichkeit würde der Namenswechsel eher schleichend über die Bühne gehen – schwupps, keiner hat´s gemerkt, und doch ist´s tief ins Unterbewusstsein gebrannt.

Ja, ich hab da wirklich jede Menge Ideen, die das Image dieses armen, geplagten Unternehmens aufbessern würden. Man könnte doch zum Beispiel (bis der eigentliche Betrieb der Mauterfassung irgendwann mal losgeht) mit Hilfe der hässlichen Gestelle über der Autobahn lustige Fotos von den Autofahrern schießen, die man sich dann unter Angabe seiner Autonummer gegen einen gewissen Obolus aus dem Internet 'runterladen kann. Mit dem Geld könnte man dann wenigstens einen Teil der Vertragsstrafe tilgen.

Bisher hat mich aber noch kein Headhunter für diesen Job angerufen. Ob's wohl daran liegt, dass ich einfach überqualifiziert und übermotiviert bin?

Einen beruflichen Rettungsanker habe ich noch, wenn mir irgendwann einmal alles stinkt: Ich wandere einfach aus und werde König von Tonga.