Sparen macht Spass

Eine Glosse mit Gewinnspiel von Reinhard Helfert

Ich hab's ja gesagt: alles wird wieder gut, irgendwann. Und jetzt ist er da, der Aufschwung. Zumindest behaupten das mal wieder die Politiker. Die lähmende Angst vor einem wirtschaftlichen Totalzusammenbruch unserer glorreichen Nation scheint spätestens seit der Weltmeisterschaft aus unseren Köpfen gebannt. Im Vorfeld schon haben wir Deutsche investiert.

Mehr Fernsehgeräte als in den beiden Monaten vor der WM wurden in Deutschland innerhalb solch einer kurzen Zeitspanne noch nie verkauft. Und dann während der WM: Wir haben konsumiert was das Zeug hält. Fähnchen schwenkend haben wir uns literweise Bier in den Rachen geschüttet, Chips bergeweise. Verloren haben nur unsere Jungs in den feschen kurzen Hosen (Anmerkung des Korrektors: Verloren haben wir nur einmal) – wir haben gewonnen, nämlich an Selbstbewusstsein.

Die Tricks, viel zu kaufen und dennoch zu sparen, sind ja ganz einfach und mittlerweile auch Käuferschichten bekannt, die es gar nicht nötig hätten. Längst werden auch Besserverdienende von Schnäppchenpreisen gelockt. Lidl und Co. boomen ungebrochen. Ich hab einen Kollegen, der sogar schon einmal eine Hose bei Kik gekauft hat, und bei IKEA trifft man samstags sowieso immer jede Menge Bekannte (gell Dominik?).

Wir haben in einem Umkreis von 7 Kilometern rund um unser südhessisches Dorf jetzt auch schon die komplette Infrastruktur, die man zum effektiven Sparkaufen braucht: Penny, Norma, Lidl, Aldi, netto, Kik, eine Tedi-Ein-Euro-Markt und sogar seit kurzem einen gigantischen Roller Möbelmarkt.

Irgendwie erinnert mich diese Situation an den Belagerungszustand eines bekannten gallischen Dorfes durch römische Legionen. Das macht mir Angst, gerade, weil ich weiß, dass ich für derlei Etablissements durchaus anfällig bin.

Neulich wurde ich von besagtem Tedi-Markt förmlich eingesaugt und fand mich zwischen einem Sammelsurium grässlich nach Plastik stinkender Wegwerfartikel wieder – und es kam wie es kommen musste: ich konnte nicht widerstehen. Jetzt bin ich stolzer Besitzer eines Schlüsselanhängers aus chinesischer Produktion, der auf Knopfdruck weibliche Beischlaflaute ausstößt.

Ich muss sogar gestehen, dass ich vor einiger Zeit bei einer dieser Saturn-Geiz-ist-geil-Aktionen dabei war. Fast eine ganze Stunde habe ich angestanden, um eine der begehrten 1-Euro-Kaffeemaschinen zu bekommen. Es gab sie nur an diesem Montag, für jeden nur eine und das nur solange der Vorrat reicht. Ich hatte es nicht geschafft mich um 7.30 Uhr vor dem Laden zu postieren, um einen guten Platz beim Kampf um das begehrte Objekt zu besetzen (ich glaube, es gab sogar Menschen, die vor dem Laden übernachteten). Als ich um 10.30 Uhr den Laden betrat ging die Schlange schon über zwei Stockwerke. Nie hätte ich gedacht, dass so viele Menschen ohne Kaffeemaschinen leben.

Ich stellte mich also an und etliche taten es mir gleich. Vor mir und hinter mir nur Frauen. Nicht, dass mir das unangenehm gewesen wäre – und ich wagte es sogar, die Michaela-Schaffrath-Ich-Gina-Wild-Hörbuch-CD in der neben mir stehenden CD-Ramschkiste ausgiebig zu betrachten. Es war langweilig, richtig langweilig. Tollkühn begann ich ein Gespräch mit meiner „Vorsteherin“: „Welche Farbe soll denn Ihre Kaffemaschine haben?“ Ihre Antwort war ernüchternd: „Weiß – aber haben Sie eigentlich nicht gelesen, dass das Angebot nur für Frauen gilt?“ Sie streckte mir den Zeitungsbeileger entgegen, in dem das Großereignis beworben wurde, und deutete auf das kleine Sternchen neben der Abbildung und die Zeile am unteren Bildrand. Enttäuscht nahm ich Abschied von der Schlange und noch zwei Energiespar-Glühbirnen mit nach Hause. Ich hab mir dann ein paar Tage später eine schweineteure, italienische Kaffeemaschine gekauft und trinke jetzt nur noch Capuccino.

Ja, Sparen kann volkswirtschaftlich äußerst sinnvoll sein, denn je mehr man beim einkaufen spart, umso mehr kann man einkaufen – ist doch logisch!

Der magenta Spartipp:

Eine der originellsten Spar-Ideen, die ich kenne, kam vor kurzem von einem Kollegen und Profisparer. Nicht nur dass er die zeitraubenden und kostspieligen Frisörbesuche komplett abgeschafft hat, er spart schon morgens bei seiner langen Anreise zur Arbeitsstelle. Bei der ständig steigenden Zahl notorischer Linksfahrer gibt er folgendes zu bedenken:

  • Wenn Sie drängeln, kostet Sie das: 250 EUR, 4 Punkte + 3 Monate Fahrverbot (Neue Regelungen seit der Einführung der neuen Dränglervorschrift.)
  • Da sollte man doch lieber gleich rechts überholen, denn das ist erheblich billiger: 50 EUR und 3 Punkte (200 EUR + 1 Punkt gespart!)
  • Einen weiteren Punkt kann man sogar noch sparen, wenn man statt der rechten Spur gleich die Standspur benutzt. Die Benutzung des Seitenstreifens zum Zweck des schnelleren Vorwärtskommens kostet Sie: 50 EUR + 2 Punkte

Achtung: Wenn auf dem Seitenstreifen der Autobahn ein PKW mit 180 km/h an Ihnen vorbeisaust, ist das bestimmt mein Kollege, der gerade 200 Euro und 2 Punkte spart.