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Personal Identity

Auf der Suche nach dem eigenen Profil. Eine Glosse von Reinhard Helfert

Haben Sie sich eigentlich auch schon einmal Gedanken gemacht, wer Sie eigentlich sind? Nein, dass Sie wissen, wie Sie heißen und dass Sie ihr Geschlecht auswendig nennen können, ist mir schon klar. Ich meine: wer Sie wirklich sind.

Mit meinem beginnenden 40sten Lebensjahr fingen diese bohrenden Fragen bei mir erst so richtig an. Vorher wusste ich als ausgeprägter Doppelskorpion sehr genau, wer oder besser was ich bin, nämlich einfach „jung und toll“. Damit war plötzlich Schluss und die Identitätssuche nahm ihren Lauf. Meinem Umfeld ging ich ab diesem Zeitpunkt gehörig auf den Senkel. Jeder, aber auch wirklich jeder, der mir unter die Augen kam (und da war sogar meine Putzfrau dabei), wurde in die tiefsinnigsten Gespräche verwickelt, die letztendlich nur auf wirklich eines hinausliefen: Wer sind wir eigentlich wirklich? Die Antworten blieben wir uns dabei stets schuldig. Die folgenden Jahre verbrachte ich mit meiner Psychoanalytikerin (die Ihnen noch vom letzten Newsletter bekannt sein dürfte) auf der Couch. Wir haben Freud und Jung miteinander geteilt. Das war ganz nett, und die ganzen frühkindlichen sexuellen Störungen haben wir dabei herausgefunden. Doch geblieben ist die zehrende Frage: Wer bin ich eigentlich?

So, und jetzt muss ich ein wenig abschweifen – und glauben Sie ja nicht, das hätte nichts mit meinem Thema zu tun: Irgendwann fing ich an, aus Zeitmangel – Sie wissen ja, der Stress im Beruf – meine Bücher und CDs übers Internet bei Amazon einzukaufen (meine Buchhändlerin traf ich ab diesem Zeitpunkt nur noch privat). Vor allem bei Geburtstagsgeschenken fand ich das praktisch. Ich kaufte alles bei Amazon: Noten von irischen Fiddletunes für meinen Freund Peter, die CD von den Wildecker Herzbuben mit dem Hit „Herzilein“ für Tante Luises 80sten, den Männeraktkalender für meine Kollegin Stefanie, „Ulysses“ von James Joyce für meinen intellektuellen Bruder (er behauptet, er hätte es in einem Rutsch gelesen und auch noch verstanden, der Angeber!), den Bildband „Englische Parks und Landschaftsgärten“ für meine Ex-Ex-Ex…, den Medikamentenratgeber „Bittere Pillen“ für einen mir gut bekannten Hypochonder. Ich kaufte diverse Fachbücher fürs Büro, die AC/DC-5CD-Box für meinen 9jährigen Cousin sowie für mich selbst das Bilderbuch „Zäpfelkerns Abenteuer“, das ich als Kind besessen hatte und das bei irgendeinem Umzug spurlos verschwunden war.

Dann kam das Wunder. Aus all diesen winzigen Mosaiksteinchen formte der Amazon-Server ein genaues Abbild meiner Persönlichkeit. Ich war erkannt als homosexueller, pseudointellektueller, Geige spielender Familienvater mit undifferenziertem Musikgeschmack und einem großen Park hinter meinem Haus. Passend zu meinem neuen Profil bekomme ich nun jede Menge weitere Angebote auf meiner persönlichen Amazonseite, die die Pfeiler meiner Persönlichkeit weiter stärken sollen. Man bietet mir CDs von Marianne und Michael, den Scorpions und den Dubliners an oder schickt mir E-Mails mit Angeboten zum Thema Aids (da sind wohl der „Männeraktkalender“ in Kombination mit den „Bitteren Pillen“ dran schuld).

Heute bin ich wirklich dankbar für die vielen, auf mein Individuum maßgeschneiderten Tipps, auf die ich alleine nie gekommen wäre. Oder hätten Sie jemandem, der den juristischen Ratgeber von Benno Gebistorf „Das 11. Gebot, oder Du sollst nicht heiraten. Ein Plädoyer gegen die eheliche Zwangsgemeinschaft“ gekauft hat, Bücher angeboten wie „Um keine Antwort verlegen. Wie man Wortgefechte gewinnt“ von J. A. Alt oder Paul Watzlawiks „Anleitung zum Unglücklichsein“?