Völlig verstrahlt!

Sind wir noch sicher vor der Invasion der Killerschnaken? Eine Glosse von Reinhard Helfert.

Ja, da wird es sicher ein paar Zeitgenossen geben, die mich für völlig verrückt halten und mutmaßen werden, ich hätte zu viele schlechte Horrorschinken gesehen. „Der spinnt und gehört jetzt endlich in die Klapse.“ Paranoider Verfolgungswahn, Schizophrenie, Borderline – keine Ahnung, und vielleicht haben ja alle ein wenig Recht... aber die Schnaken sind in diesem Jahr bei mir zuhause im südhessischen Ried wirklich viiiiiiieeeel größer als sonst, und sie greifen in gigantischen Geschwadern und viel aggressiver an.

Ich sag’ Ihnen, warum: Gerade einmal 1 Kilometer Luftlinie von meinem Schlafzimmerfenster entfernt steht das Kernkraftwerk Biblis. Sie haben sicher den Film „Formicula“ aus den 50er Jahren gesehen, der von radioaktiv verseuchten und mutierten Riesenameisen handelt, die dann die Menschheit bedrohen? Oder waren das die Riesenspinnen in „Tarantula“? Auf jeden Fall waren die Monster verstrahlt! Dämmert’s jetzt bei Ihnen? Biblis ist zwar abgeschaltet, strahlt aber innerlich weiter. Und dann gibt es dort auch noch ein Zwischenlager mit jeder Menge atomarer Abfälle… und niemand weiß, wohin damit… oder ob da nicht längst ein Leck in der Betonhülle ist oder so... Und dann die Handystrahlen, WLAN-Wellen, Mikrowellen – oh mir wird ganz schwindelig.

Die gemeine Stechmücke Culicidae gehört zur Familie Diptera, den Zweiflüglern. Von ihnen gibt es weltweit ca. 3500 Arten. Die Malaria übertragende Anopheles-Mücke und die Gelbfiebermücke (Stegomyia aegypti) gehören dazu. Aber die schlimmsten gibt es bei uns. Gezüchtet werden sie meiner Meinung nach in den Wassertonnen meiner garstigen, verschlagenen, hinterlistigen, ja geradezu heimtückischen Nachbarn.

Aber auch die nahen Altrhein-Arme und die feuchten Flussauen sind ihre Heimat. Überhaupt ist die Gegend ziemlich sumpfig. Die Blutsauger lieben das. Manch ein (böser und unverantwortlicher) Landwirt nutzt zudem seine Felder als perfekte Möglichkeit, überschüssige, behandlungsbedürftige Abwässer aus exzessiver Massentierhaltung „naturnah“ zu verklappen – der ideale stinkende Nährboden für die gemeine Schnakenbrut.

Ich will ja wirklich niemandem etwas unterstellen, aber da kommt mir ein altes deutsches Sprichwort in den Sinn: „Was der Bauer gut kann, kann die Industrie schon lang“. Oder die Rüstungsindustrie – schon mal was von biologischer Kriegsführung gehört? Vielleicht sind wir alle Teil eines großen, geheimen Humanversuchs? Woher sollen denn die riesigen Killerschnaken in diesem Jahr denn kommen? Und warum jucken die Stiche viel mehr als sonst, hääähhh??? – Fragen über Fragen... und übrigens: der dicke rechte Oberarm ist nicht das Ergebnis langjährigen, ausgiebigen und einseitigen Hanteltrainings, sondern Folge eines ganz normalen Schnakenstichs.

Abstruse Verschwörungstheorien eines völlig kranken Kopfes? Aber mal ganz ehrlich: hätten Sie beispielsweise vor einem halben Jahr gedacht, dass die NSA die gesamte Welt ausspäht? Irgendwann kommt alles raus, und ich werde Recht behalten, bestimmt... wie imm